Piemont

 Die Kirche vom Bergdorf TraregoDas Beste kommt wohl immer zum Schluß. So auch im Wanderurlaub am Lago Maggiore. Die letzte Strecke am vorletzten Tag führte von Cannobio über den Monte Carza hinunter nach Cannero Riviera. 
 
Der Aufstieg zum Monte Carza beginnt am Ortsrand von Cannobio. Hier biegt man rechts von der Hauptstraße SS34 rechts ab (man kann auch schon früher rechts abbiegen und durch den Ort schlendern, siehe GPS-Daten). Schon bald weisen Schilder den Weg in Richtung Waldrand.
 

Anstatt einer Wanderung sollte am Mittwoch ein netter Ausflug für Abwechslung im sonst anstrengenden Wanderurlaub sorgen. Als Ziel wurde der Mittwochsmarkt in Luino auserkoren. Shopping auf einem jahrhundertealten Markt, eine Bootsfahrt von Cannobio aus, Bummeln durch die Altstadt - perfekte Aussichten für einen entspannten Tag.´
 
Doch bereits am Bootssteg in Cannobio wurde klar, dass der Lago Maggiore kein Eldorado für Individualtouristen und Genießer ist - zumindest in Ufernähe. Hier in einem der beliebtesten Naherholungsgebiete der Deutschen war diese Ausflugsfähre rund 30 Minuten vor dem offiziellen Ablegetermin zwar noch angenehm leer, füllte sich aber von Minute zu Minute mit Horden von Pauschal- und Campingtouristen. Bis der Kahn zum bersten vollgestopft war.
 
Irgendwo hab ich die Angabe maximal 600 Passagiere aufgeschnappt. Und die waren 15 Minuten nach dem geplanten Ablegetermin auch locker drauf. Mittendrin ich. Umfallen unmöglich. Ellenbogen im Rücken. Körperkontakt und gegenseitiges Aufdiefüßestehen mit unzähligen Socken-Sandalenträgern und kräftigen Flip-Flop-Damen unumgänglich. Gemütlicher hätte die Anfahrt zum Ausflugsziel schon mal nicht sein können.

Geritzte Bäume am Aussichtspunkt beim M. CroceEtwas kicken muß eine Wanderung schon. Nicht allzu sehr, sondern richtig dosiert aus den Zutaten Anstrengung, Naturerlebnis und Streckenanforderung. Der Tour ab Magognino fehlte von allem etwas. Hier am südlichen Lago Maggiore gehen die schroffen Alpengipfel langsam in eine sanfte Hügelllandschaft über. Die heftigen Anstiege gibt es also nicht.
 
Die Tour verlief nahezu über die gesamte Distanz oben auf dem Hügel neben einem Golfplatz entlang. Die Portion Naturerlebnis fiel deshalb gering aus. Ebenso rar war die Zutat Streckenanforderung.
 
Dennoch war die kleine Runde optimal nach den zwei anstrengenden und langen Touren der Vortage. Los gings im idyllischen Ortszentrum von Magognino am Parkplatz vor der Kirche.     

Ausblick von der Alpe Prà aus - 1223 Meter HöheAllein die Anfahrt zum letzten bewohnten Dorf im Nationalpark Val Grande hinter Verbania ist ein echtes Abenteuer. Cicongna liegt  rund 15 Kilometer im Hinterland von Verbania. Die Straße wird von Meter zu Meter schmaler und endet schließlich in einer etwas mehr als autobreiten Bergstraße, die sich sechs Kilometer abenteuerlich nach oben schraubt.
 
Begegnen sich hier zwei Autos, wirds richtig schwierig. Einfach auszuweichen könnte hier 50 Meter tiefer im Sturzbach enden. Lediglich Einbuchtungen alle paar hundert Meter ermöglichen das Vorbeikommen aneinander.
 
Oben angekommen stehen einige Parkplätze vor einem kleinen Restaurant gegenüber der Kirche zur Verfügung. Viel ist  nicht los. Eine Hand voll Touristen verirrt sich aber doch immer wieder hierher. Wohl nicht zuletzt weil diese Tour im "normalen" Lago-Reiseführer als Familienwanderung angepriesen wird. Es kann also alles nicht so schlimm werden nach dem harten Tag zuvor.      

Blick vom Monte Giove runter auf Cannobio Nach gelungenem Warmlaufen am Vortag, war der Montag reserviert für eine Tour aus unserem Wanderführer hinauf zu Cannobios Hausberg, dem Monte Giove mit 1298 Metern Höhe. Die Tour ist im Rother Wanderführer blau gekennzeichnet, sprich eine leichte Tour ohne technische Schwierigkeiten. Gesamte Gehzeit wird mit  fünf Stunden angegeben. Der Startpunkt liegt in Sant Agata, wo ich bereits am Tag zuvor "hinaufgeklettert" bin.
 
Da das Hotel jedoch unten in Cannobio steht und ich das Auto nicht bewegen wollte, hab ich den Startpunkt eigenmächtig und ganz mutig rund 270 Meter weiter nach unten verlegt. Die 1,5 Stunden mehr Laufzeit hoch und runter machen diese "leichte" Tour ja auch nicht mehr fett, dachte ich. Ich hab ja den ganzen Tag Zeit!         
 
Also los. Mit vollem Elan bewältigte ich die 270 Extra-Höhenmeter nach Sant Agata. Pause nur ganz kurz. Dann direkt hinter dem Dorf weiter in einen Kastanienwald hinein. Ups, der Weg bleibt ja ständig so steil. Und sauschwül wars auch.

Die Kirche Sant Anna liegt hoch oben über einer SchluchtNach Cannobio zu kommen ist einfach. Rund vier Stunden Autofahrt dauert die Anreise wenn alles rund läuft. Dort angekommen laden Pool, Sonnenschein und ein komfortables Hotelzimmer zum entspannten Nichtstun ein. Verlockend. Doch angesichts der heftigen Anstiege der kommenden Tage mußte eine kurze Aufwärmrunde her.
 
Also wurden die Wanderstiefel geschnürt und vom Hotel weg losmarschiert. Zuerst steil hinauf zum kleinen Ort Sant Agata, abwärts ins Valle Cannobina, vorbei an einsamen Badestränden am kristallklaren Bergbach und Halbzeitpause beim Orrido di Sant Anna.
 
Vom Hotel führt der Weg entlang der Hauptstraße in östlicher Richtung zum Ortsausgang. Hier zweigt nach links ein gut ausgewiesener Mulattiera ab - ein alter mit Steinen gepflasterter Pfad. Auf diese kunstvoll in die steilen Hänge eingebetteten Pfade treffen Wanderer übrigens auf nahezu allen Strecken am Lago Maggiore.
 

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