Wanderung
Sonntag, grandioses Herbstwetter, Naturentzugerscheinungen, aber kein Bock auf acht Studen Wandern?! Die Lösung liegt so nahe: Einfach eine drei Stunden Tour in Angriff nehmen, die zudem direkt vor der Haustüre liegt. Quasi das Fast-Food für Wanderer.
Und der Dreischluchtenweg ab Bachheim schmeckte bis auf kleinere Makel nichtmal schlecht. Warum? Die Antwort gibt's hier.
Wandern bei einer Pressereise für Biker klingt erstmal ungewöhnlich. Passt einfach nicht. Aber es geht. Die Beine waren am Ende der Reise bereits müde und die Zeit zu knapp. Deshalb haben wir uns im Troodos-Gebirge ein wenig die Füße vertreten.
Und während ich dahintrotte, hatte ich auf einmal das Gefühl, mich glotzt jemand an. Doch da war grade niemand.
Lang ist's her, meine letzte GPS-Strecke. Deshalb fang ich mal langsam an und uppe erstmal lässige 11,2 Kilometer Rundweg von Donaueschingen, vorbei am Riedsee, nach Pfohren und zurück. Auch in Sachen Höhenprofil gibt's keine Extras. Flacher geht's nimmer.
Wenn sich alte Studienkollegen ein Wochenende lang auf einer Hütte im Allgäu treffen, passiert so einiges, nur nicht, dass allzu lange Strecken zurückgelegt werden. Dennoch fand ein kleiner Fußmarsch statt, nicht weit, nicht hoch, dafür mit dem Ziel Alpengasthof Hörmoos.
Was tun, wenn einen andere Wanderer grüßen und dabei nicht in die Augen schauen, sondern andere Körperteile fixieren? Richtig. Man erwacht aus einer Art Wandertrance und blickt selbst mal an sich hinunter. Und siehe da, es zeigt sich ein "Herz aus Schweiß" auf meinem nicht allzu sauberen T-Shirt. Ein Wunder?
Wohl kaum. Bei mir wurde die Entstehung vielmehr durch eine günstige Massenverteilung im Bereich Brust, Bauch in Kombination mit dem Trekkingrucksack verursacht.
Das Phänomen erschien in den nächsten Tagen ein paarmal wieder, in nicht ganz so perfekter Ausführung. Wie soll es auch anders sein, immer nur nach kräftigen Steigungen. Herz hin Herz her, abgenommen hab ich während den 14 Tagen Westweg trotzdem nicht.
Schneller als einem lieb ist, spuckt einen der Schwarzwald nach rund 280 Kilometer Fußmarsch wieder in die Zivilisation zurück. Und dann auch gleich richtig mitten rein in die Dreiländermetropole. Zack, da bist du wieder. Verkehr, gestresste, dafür gut gestylte Stadtmenschen, Busse, Bahn, Lärm und Shopping im Überfluß. Komisch, hab ich kaum vermisst die letzten 14 Tage.
Aber egal. Wichtiger ist, genau in dieser Zeitspanne hab ich ihn gemeistert, den Westweg von Pforzheim bis Basel. Exakt 284,57 Kilometer Wegstrecke hat mein kleiner GPS-Datenlogger Polaris Travel Honey aufgezeichnet. Ungefähr einer davon wurde rollend zurückgelegt, ein weiterer schwebend - dazu später mehr.
Nahezu alle Gepäckstücke waren verhandelbar. Messer, Schuhputzzeug, Erste-Hilfe-Set, oder eine zweite lange Hose. Eines mußte jedoch unbedingt mit: Die Spiefgelreflex. Dafür benötigte ich jedoch geeigneten Stauraum, schnell erreichbar und ausreichend geräumig für das eine oder andere Zusatzequipment.
Wer sich auf dem Rucksackmarkt mal umgeschaut hat wird wissen, dass es kaum "echte" Trekkingrucksäcke speziell für Fotografen gibt, die ganz nebenbei auch genügend Stauraum für eine zweiwöchige Wandertour bieten. Über das Internet konnte ich einige Spezialanbieter im Ausland ausfindig machen (www.naneubags.com, www.fstopgear.com, www.thinktankphoto.com).
Die Rucksäcke waren aber entweder zu teuer, oder nicht passend für mich. Zudem kauf ich keinen Rucksack, der über 200 Euro kostet, ohne diesen je gesehen, und vor allem probiert zu haben. Meine Trekking-Fotorucksack-Eigenkreation erfüllte die Anforderungen aber perfekt. Alle Infos gibts hier.
Hier finden Sie alle Beiträge zu den Westweg-Vorbereitungen und Dingen, die mich davor, danach und während dem Laufen zum Nachdenken anregten.
Juhu, zwei Jahre nachdem ich bereits einmal fünf Etappen des Westwegs begehen konnte, heißt es diesen Sommer erneut Abmarsch in Richtung Schwarzwald. Von Pforzheim bis Basel möchte ich bei diesem Anlauf alle zwölf Etappen bezwingen.
Je nach Wanderführer und welche Strecke (West- oder Ostroute) eingeschlagen wird, ergibt das eine Distanz von 278 bis 292 Kilometern. Die Etappen sind zwischen 18 und 32 Kilometer lang. Gehzeiten variieren bei gemütlichem Marschtempo zwischen fünf und neun Stunden.
Das Beste kommt wohl immer zum Schluß. So auch im Wanderurlaub am Lago Maggiore. Die letzte Strecke am vorletzten Tag führte von Cannobio über den Monte Carza hinunter nach Cannero Riviera.
Der Aufstieg zum Monte Carza beginnt am Ortsrand von Cannobio. Hier biegt man rechts von der Hauptstraße SS34 rechts ab (man kann auch schon früher rechts abbiegen und durch den Ort schlendern, siehe GPS-Daten). Schon bald weisen Schilder den Weg in Richtung Waldrand.
Etwas kicken muß eine Wanderung schon. Nicht allzu sehr, sondern richtig dosiert aus den Zutaten Anstrengung, Naturerlebnis und Streckenanforderung. Der Tour ab Magognino fehlte von allem etwas. Hier am südlichen Lago Maggiore gehen die schroffen Alpengipfel langsam in eine sanfte Hügelllandschaft über. Die heftigen Anstiege gibt es also nicht.
Die Tour verlief nahezu über die gesamte Distanz oben auf dem Hügel neben einem Golfplatz entlang. Die Portion Naturerlebnis fiel deshalb gering aus. Ebenso rar war die Zutat Streckenanforderung.
Dennoch war die kleine Runde optimal nach den zwei anstrengenden und langen Touren der Vortage. Los gings im idyllischen Ortszentrum von Magognino am Parkplatz vor der Kirche.
Allein die Anfahrt zum letzten bewohnten Dorf im Nationalpark Val Grande hinter Verbania ist ein echtes Abenteuer. Cicongna liegt rund 15 Kilometer im Hinterland von Verbania. Die Straße wird von Meter zu Meter schmaler und endet schließlich in einer etwas mehr als autobreiten Bergstraße, die sich sechs Kilometer abenteuerlich nach oben schraubt.
Begegnen sich hier zwei Autos, wirds richtig schwierig. Einfach auszuweichen könnte hier 50 Meter tiefer im Sturzbach enden. Lediglich Einbuchtungen alle paar hundert Meter ermöglichen das Vorbeikommen aneinander.
Oben angekommen stehen einige Parkplätze vor einem kleinen Restaurant gegenüber der Kirche zur Verfügung. Viel ist nicht los. Eine Hand voll Touristen verirrt sich aber doch immer wieder hierher. Wohl nicht zuletzt weil diese Tour im "normalen" Lago-Reiseführer als Familienwanderung angepriesen wird. Es kann also alles nicht so schlimm werden nach dem harten Tag zuvor.
Nach gelungenem Warmlaufen am Vortag, war der Montag reserviert für eine Tour aus unserem Wanderführer hinauf zu Cannobios Hausberg, dem Monte Giove mit 1298 Metern Höhe. Die Tour ist im Rother Wanderführer blau gekennzeichnet, sprich eine leichte Tour ohne technische Schwierigkeiten. Gesamte Gehzeit wird mit fünf Stunden angegeben. Der Startpunkt liegt in Sant Agata, wo ich bereits am Tag zuvor "hinaufgeklettert" bin.
Da das Hotel jedoch unten in Cannobio steht und ich das Auto nicht bewegen wollte, hab ich den Startpunkt eigenmächtig und ganz mutig rund 270 Meter weiter nach unten verlegt. Die 1,5 Stunden mehr Laufzeit hoch und runter machen diese "leichte" Tour ja auch nicht mehr fett, dachte ich. Ich hab ja den ganzen Tag Zeit!
Also los. Mit vollem Elan bewältigte ich die 270 Extra-Höhenmeter nach Sant Agata. Pause nur ganz kurz. Dann direkt hinter dem Dorf weiter in einen Kastanienwald hinein. Ups, der Weg bleibt ja ständig so steil. Und sauschwül wars auch.
Nach Cannobio zu kommen ist einfach. Rund vier Stunden Autofahrt dauert die Anreise wenn alles rund läuft. Dort angekommen laden Pool, Sonnenschein und ein komfortables Hotelzimmer zum entspannten Nichtstun ein. Verlockend. Doch angesichts der heftigen Anstiege der kommenden Tage mußte eine kurze Aufwärmrunde her.
Also wurden die Wanderstiefel geschnürt und vom Hotel weg losmarschiert. Zuerst steil hinauf zum kleinen Ort Sant Agata, abwärts ins Valle Cannobina, vorbei an einsamen Badestränden am kristallklaren Bergbach und Halbzeitpause beim Orrido di Sant Anna.
Vom Hotel führt der Weg entlang der Hauptstraße in östlicher Richtung zum Ortsausgang. Hier zweigt nach links ein gut ausgewiesener Mulattiera ab - ein alter mit Steinen gepflasterter Pfad. Auf diese kunstvoll in die steilen Hänge eingebetteten Pfade treffen Wanderer übrigens auf nahezu allen Strecken am Lago Maggiore.
Sonnenuntergang über Sant' Agata bei Cannobio






