Westweg
Endlich ist es soweit. Die letzte Westwegetappe steht an - auslaufen lassen, keine Anstiege mehr, nur noch genießen und die Ankunft in Basel zelebrieren. Soweit meine Erwartungen an diesen Tag.
Die Realität sah jedoch kurz nach dem euphorischen Start in Kandern bereits anders aus.
Schande über mich. Bevor es jemand anhand der GPS-Streckendaten aufdeckt, hier meine Beichte. Ich gestehe zu Beginn dieser Etappe Bus und Seilbahn beutzt zu haben. Ganze zwei Kilometer dieser Tour wurden NICHT zu Fuß zurückgelegt.
Welch eine Schmach für den ehrgeizigen Westweggeher. In meinem Fall sprachen jedoch einige (sehr gute!) Gründe gegen den Fußmarsch zum Belchen-Gipfel.
So, bevor der letzte Funke Erinnerung vom Arbeitsalltag ins Unterbewußtsein zurückgedrängt wird, möchte ich Westwegetappe zehn schnell noch im World Wide Web verankern.
An diesem Tag ging es knapp 25 Kilometer vom Feldberg bis Belchen-Multen, am Fuße des vierthöchsten Schwarzwaldberges Belchen.
Es ist zu schön hier oben auf dem Feldbergmassiv, als dass man gleich wieder weitersprintet. Ich empfehle einen "Ruhetag", um dieses Fleckchen Hochschwarzwald ausreichend genießen zu können.
Auch meine Füße und Knochen forderten nach neun Etappen einen Tag Pause. So ganz konnte ich es dann aber doch nicht lassen und spazierte gemütlich hinauf zum Herzogenhorn, Einkehr inklusive.
Langsam wird es schwierig mit der Erinnerung. Zu lange liegt der Westweg bereits hinter mir, dass ich mich an jedes Detail erinnern könnte. Eines weiß ich jedoch noch genau. Ab dieser traumhaften Etappe war auch das Wetter nur noch traumhaft - bis Basel. Dank Sonnenschein hielt ab nun auch die Psyche wieder Schritt.
Der Vortag war für mich die Königsetappe in Sachen Höhenmeter. Die Etappe von der Wilhelmshöhe bei Schonach bis kurz vor Thurner sollte mit knapp 30 Kilometer die längste Strecke werden. Durch das Westweg-Tor direkt am Ausgangspunkt verläuft der Weg die ersten 6,5 Kilometer realtiv eben durch schönsten Schwarzwald, offene Weideflächen und vorbei an einigen abgelegenen Bauernhöfen.
Zwei leichte Etappen im Rücken brauchte ich endlich mal wieder eine Herausforderung, etwas Anstrengendes. Da kam die Etappe von Hausach zur Wilhelmshöhe bei Schonach genau richtig. Ich bekam was ich wollte. Die Herausforderung war mächtig, die Anstrengung groß und der Wille vom Morgen verpuffte schnell.
Ruhe vor dem Sturm. Ruhe deshalb, weil diese Etappe lediglich 15 Kilometer misst, meist bergab verläuft und das Schlechtwetter vom Vortag einen Gang zurückgeschalten hatte.
Sturm, bezieht sich auf den kommenden Tag. Dazu im nächsten Beitrag mehr.
Es gibt nicht viel zu berichten von dieser Etappe. Zumindest sind nicht allzuviele Eindrücke in meinem Gedächtnis hängengeblieben. Das Wetter war bescheiden, kalt und neblig. Der Weg verläuft häufig durch Wald und die Strecke fällt insgesamt leicht ab. Viel mehr hab ich nicht mehr im Kopf. Ich versuchs trotzdem etwas genauer.
Was tun, wenn einen andere Wanderer grüßen und dabei nicht in die Augen schauen, sondern andere Körperteile fixieren? Richtig. Man erwacht aus einer Art Wandertrance und blickt selbst mal an sich hinunter. Und siehe da, es zeigt sich ein "Herz aus Schweiß" auf meinem nicht allzu sauberen T-Shirt. Ein Wunder?
Wohl kaum. Bei mir wurde die Entstehung vielmehr durch eine günstige Massenverteilung im Bereich Brust, Bauch in Kombination mit dem Trekkingrucksack verursacht.
Das Phänomen erschien in den nächsten Tagen ein paarmal wieder, in nicht ganz so perfekter Ausführung. Wie soll es auch anders sein, immer nur nach kräftigen Steigungen. Herz hin Herz her, abgenommen hab ich während den 14 Tagen Westweg trotzdem nicht.
Eine Erkenntnis habe ich auf dem Westweg gewonnen. So anstrengend eine Strecke wie am Vortag auch sein mag, lieber verausgabt man sich bei schönem Wetter, als bei nasskalter Witterung irgendwo gemütlich dahinzutrotten. Es macht einfach keinen Spaß und nagt spätestens nach zwei Regentagen an der Psyche.
Am Morgen der Etappe vom Mummelsee bis zur Alexanderschanze sah ich das noch nicht ganz so eng. Zu groß war noch die Euphorie, endlich den Westweg zu gehen. Einen Tag hält man das schon aus, oder? Da kneift vielleicht ein Schönwettertouri. Aber ich? Mistwetter hat seine ganz eigenen Reize. Wie recht ich hatte. Dennoch. Die Erkenntnis steht: Wenns schön ist ists schön. Drei wüste Tage brauchte ich noch, um dies einzusehen,...
Bei der Tour de France würde man diese Etappe wohl zur höchsten Kategorie zählen. Favoritsierte Fahrer müßten ihre Karten auf den Tisch legen, zeigen was in ihnen steckt, um später in Paris ganz weit vorne zu landen. Hier beim Westweg geht es zwar nicht um Positionen, Zeit und Bestleistungen. Doch wer in Basel als Finisher ankommen will, muß hier hoch.
23,2 Kilometer ist die Strecke von Forbach bis zum Mummelsee lang. Nach neun Kilometern liegen bereits 600 Höhenmeter unter einem. 500 weitere erklimmt man bis zur Hornisgrinde. Das lockere Vorgeplänkel ist definitiv vorbei. Wie es mir erging erfahrt ihr hier.
"Am folgenden Tag gehts von Dobel nach Forbach, wenn da nicht....", so endet meine Beschreibung der ersten Etappe. Ja wenn da nicht was dazwischen gekommen wäre. Es regnete es aus Eimern. Ans Weiterlaufen war nicht zu denken. Tja, was macht man einen Tag lang in Dobel bei strömendem Regen? Nicht viel, kann ich euch sagen.
Also nochmal übernachtet. Am nächsten Morgen konnte es dann endlich weitergehen. Bei Sonnenschein durchschritt ich um punkt neun Uhr das zweite Westwegtor, das "Sonnentor" zu Dobel.
Aufstehen zwischen 7.00 und 7.30 Uhr, Frühstücken von 8.00 bis 9.00 Uhr, Abmarsch spätestens um 9.00 Uhr. Dieser Rhytmus habe ich in Birkenfeld erstmals zelebriert. Er sollte sich bis zur Ankunft in Basel als fester Tagesbestandteil etablieren.
Gut gestärkt nahm ich dann die 18,16 Kilometer in Angriff. Kurz vor Birkenfeld hatte ich am Abend zuvor bereits die sogenannte Höhenvariante des Westwegs eingeschlagen, die rund fünf Kilometer nahezu auf einem Höhenniveau durch den Wald bis Neuenbürg führt. Dort treffen sich die beiden Wegvarianten wieder.
Völlig ahnungs- und erwartungslos, ob und wie weit mich meine Füße wohl tragen würden, kam ich am Sonntagnachmittag mit dem Zug in Pforzheim an. Na gut, motiviert bis in die Zehenspitzen war ich schon. Krankhaften Ehrgeiz wollte ich jedoch nicht aufkommen lassen, weshalb an diesem Tag keine ganze Etappe mehr, sondern nur ein kurzes Stück bis nach Birkenfeld auf dem Wanderplan stand.
Das waren dann immerhin 7,73 Kilometer. Ein heftiges Blitzgewitter überraschte mich auf den letzten Metern im Wald und machte mir Beine. Also war es nix mit gemütlichem Warmlaufen. Laufschritt mit Gepäck war angesagt.















